Die Situation der Roma in Rumänien

Rumänien ist geprägt vom Nebeneinander unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Dies stellt das Land vor gesellschaftliche Herausforderungen. Seit ihrer Ankunft in Rumänien vor Jahrhunderten wurden die Roma versklavt und unterdrückt. Sie galten als Wilddiebe, Brandstifter, Zauberer und Spione.

Während der kommunistischen Diktatur wurden die Roma aus ihren ursprünglichen Lebens- und Arbeitsformen herausgerissen und per Gesetz sesshaft gemacht. Man brachte sie an Stadträndern in schnell erstellten Mietshäusern unter, die bald zu Elendsvierteln verkamen und heute regelrechte Slums bilden. Nach den politischen Veränderungen in Rumänien 1989 trat eine weitere Verschlechterung der Lebenssituation der Roma ein. Ausgehend von neuen Nationalismen kam es immer wieder zu regelrechten Pogromen, bei denen ganze Romadörfer abgebrannt wurden. Heute befinden sich viele in einem Kreislauf aus Desintegration, schlechten Bildungs- und Erwerbschancen, Armut, Kriminalität und Alkoholismus.

Das Unterdorf von Roşia

Das Dorf Roşia liegt in der Nähe von Sibiu, der Hauptstadt Siebenbürgens. Bis heute ist die Gegend von den Zeugnissen der Siebenbürger Sachsen geprägt, die im 12. Jahrhundert aus Deutschland in diese dünn besiedelte Gegend kamen. Sie lebten in Roşia bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts, verliessen jedoch im Zuge einer Auswanderungswelle nach Deutschland fast alle das Dorf. In die danach leer stehenden Häuser zogen Rumänen, die zuvor im Unterdorf gelebt hatten, ein. In den Häusern der Rumänen leben seitdem wiederum etwa 1000 sesshaft gewordene Roma, teilweise in sehr schlechten Verhältnissen, ohne fliessendes Wasser oder sanitäre Anlagen.

Trotz der allgemeinen Schulpflicht in Rumänien sind die Roma oft aus dem Bildungssystem ausgegrenzt, sodass ein weitverbreiteter Analphabetismus entstanden ist. Viele Eltern der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen können weder schreiben noch lesen.